Hedge Fonds Informationen
Hedge-Fonds sind eine spezielle Art der Investmentfonds, die sich durch ihre sehr spekulative Anlagestrategie auszeichnen. Durch diese Anlageform bieten sich enorme Chancen für den Anleger bei entsprechend hohem Risiko.
Hedge-Fonds sind sehr komplexe Investmentinstrumente und handeln in unterschiedlichster Weise. So investieren diese Fonds in Derivate und spekulieren mit Leerverkäufen, investieren in Aktien oder Rentenpapiere und sind in Optionsscheinen oder auch Futuregeschäften investiert. Ferner wird versucht, mit Hilfe von Fremdfinanzierungen die Eigenkapitalrendite zu erhöhen. Dieses wird auch Hebel- oder Leverage-Effekt genannt. Diese Vorgehensweise ist mitunter nicht ganz unproblematisch, da erworbene Firmen aufgrund der Eigenkapitalrendite der Hedge-Fonds eine enorme Schuldenlast zu tragen haben. Diese Vorgehensweise brachte den Hedge-Fonds den Beinahmen "Heuschrecken" ein, weil sie eine ähnliche Handlungsweise wie bei den Private-Equity-Fonds aufweisen. Diese wurden im Jahr 2005 von Franz Müntefering bereits als "Heuschrecken" tituliert. Hedge-Fonds haben meist ihren Firmensitz an Offshore-Finanzplätzen (Steueroasen).
Mit der Wortbedeutung "Hedgeing" (Absichern) hat der Hedge-Fonds im Übrigen nichts zu tun.
Hedge-Fonds unterliegen keiner Anlagerichtlinie und können so am Kapitalmarkt anders agieren als die gewöhnlichen Fonds. Hedge-Fonds ermöglichen es, durch ihre verschiedenen Anlagevarianten in fallenden Börsenzeiten Gewinne zu erwirtschaften und unterliegen einer geringen Korrelation zum Aktienmarkt. Das ist der Grund der zunehmenden Beliebtheit dieser Fonds.
Die unterschiedlichen Anlagestrategien der Hedge-Fonds
Systematik Trend Followers
Unter systematischer Verwendung von mathematisch klar definierten Anlagemodellen wird versucht, Trends zu erkennen und Kauf- und Verkaufssignale zu setzen. Die Investitionsspannweite reicht von Rohwarenmärkten wie Kaffee oder Schweinehälften über Edelmetalle und Währungen bis zu Aktienindizes und Zinsprodukten.
Erreicht und umgesetzt wird diese Strategie durch Investitionen in liquide Märkte wie Termingeschäfte, Optionen oder Futures. Ein Risikomanagement-System dient hierbei zur Vermeidung von Verlusten. Der Erfolg dieser Strategie ist also abhängig von der Qualität des angewendeten Systems und dem dazu passenden Risikomanagement. Wichtig ist auch die Frage, ob sich der gewählte Trend auch so entwickelt und ob nicht in einen falschen Trend zur falschen Zeit investiert worden ist.
Event Driven
Eine weitere Anlagestrategie ist die Event-Driven-Methode. Bei dieser Strategie setzen die Fondsmanager auf die zum Teil häufig auftretenden Kursbewegungen, die von erwarteten oder angekündigten Unternehmensereignissen ausgelöst werden. So spielen Gerüchte wie Übernahmen, geplante Fusionen, Veränderungen durch Sanierungen oder Restrukturierungen und die sogenannten Spin-Offs eine große Rolle. Die Chancen, die sich hieraus ergeben können, sind enorm, da solche Ereignisse häufig vorkommen, gerade in Zeiten des Abschwungs, wenn auf sich verändernde wirtschaftliche Anforderungen durch die einzelnen Firmen reagiert wird. Die Ankündigung, einige Mitarbeiter zu entlassen, lässt oft den Börsenkurs dieses Unternehmens in die Höhe schnellen, weil die Anleger meinen, Gewinne machen zu können, weil die Lohnkosten weniger werden.
Exkurs: Spin-Off
Bei einem Spin-Off gliedert eine bestehende Firma einen Teil des Unternehmens als eigenständige Firma aus. Als Ausgleich für die Abgabe dieses Firmenteils erhalten die alten Aktionäre Aktien des neuen Unternehmens gratis, bzw. zumindest das Recht, diese neuen Aktien zu kaufen. Macht der Aktionär von diesem Recht keinen Gebrauch, so kann er das Kaufrecht ebenfalls an der Börse verkaufen (Bezugsrechthandel). In beiden Fällen (Ausgabe von Neu-Aktien oder Verkauf von Bezugsrechten) sollten dem Alt-Aktionär keine finanziellen oder rechtlichen Nachteile entstehen. Spin-Offs bieten Unternehmen die Möglichkeit, durch Umwandlung eines Unternehmensteils in eine Beteiligung kurzfristig Kapital zu erlangen. Spin-Offs können auch der erste Schritt zu einem kompletten Verkauf eines Unternehmensteils sein.
Long Short Equity
Die typische Anlagestrategie ist die Long Short Equity. Die Manager erwarten eine positive Entwicklung und kaufen Aktien; bei negativen Erwartungen werden Aktenverkäufe getätigt. Der erhoffte Erfolg wird mit Aktienleerverkäufen erzielt. Für diesen Leerverkauf leiht sich der Fonds die entsprechenden Wertpapiere von einem Investor aus und verkauft sie an der Börse zum aktuellen Kurs. Der Fonds erhofft nun, diese Aktien später günstiger zu erwerben, um sie dann dem Eigentümer zurück geben zu können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Wiederbeschaffungskurs unter Abzug von zu zahlenden Zinsen für den Verleiher der Aktien ist der Gewinn oder Verlust des Fonds. Das Handeln mit der Long-Short-Strategie kann auf dem gesamten Kapitalmarkt eingesetzt werden.
Market Neutral / Relative Value / Arbitrage-Geschäfte
Diese Anlagestrategien haben zum Ziel, die systematischen Risiken (Marktrisiken) auszuschalten oder sie zu minimieren. Bei dieser Art werden Preisunterschiede von gleichen und ähnlichen Anlagen ausgenutzt. Bei einem Zeit-Arbitrage-Geschäfte werden temporäre Wertabweichungen zwischen voneinander abhängigen Anlageinstrumenten ausgenutzt (Wandelanleihen, Aktien usw.). So werden Zeitunterschiede für Raum-Arbitrage-Geschäfte genutzt: Wertpapierkauf an der Börse in Chicago und späterer Wiederverkauf zu einem höheren Preis an der Börse in London.
Global Macro
Bei der Global-Macro-Strategie wird, wie der Name schon sagt, auf die Entwicklung des gesamten globalen Marktes oder die Entwicklung einer Branche auf dem gesamten globalen Markt gesetzt. Hierbei werden mit Hilfe von Analysen und Prognosen der Märkte und den unterschiedlich vorhandenen Daten Käufe und Verkäufe getätigt. Dieses soll aufgrund der angenommenen Erwartungen möglichst gewinnbringend geschehen. Diese Strategie ist am erfolgreichsten für die Hedge-Fonds-Manager und unterliegt einer hohen Volatilität. Ausgeführt wird diese Strategie in der Praxis mit Long- oder Short-Positionen, die in alle zur Verfügung stehenden Kapitalanlagen eingenommen werden (Aktien, Währungen, Zinsprodukte, u. v. m.).
Wer braucht Hedge-Fonds?
Ob ein Anleger sich an einem Hedge-Fonds beteiligen sollte, muss jeder Anleger für sich entscheiden. Wie bei allen Investmententscheidungen muss sich der Anleger fragen, welches das Ziel seiner Anlage ist. Natürlich kann der Anleger mit einem sinnvollen Einsatz von Anteilen in einen Hedge-Fonds sein Portfolio bereichern und sein Gesamtrisiko je nach Anlage reduzieren. Durch die unterschiedlichen Strategien, die bei den Hedge-Fonds zur Verfügung stehen, erschließen sich für den Anleger enorme Möglichkeiten. Gerade, weil Hedge-Fonds auch bei fallenden und sich seitwärts bewegenden Börsenausschlägen Gewinne erwirtschaften können, erweisen sich Hedge-Fonds als eine positive Ergänzung zu möglichen anderen Anlageformen.
Exkurs: Arbitrage-Geschäfte
Arbitrage kommt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie "nach Gutdünken" oder "freies Ermessen". Es bezeichnet das Erzielen von Gewinn durch Kursunterschiede desselben Produktes an verschiedenen Märkten.
Bei Arbitrage-Geschäften wird die Gleichheit der Ware unter Ausnutzung von unterschiedlichen Kursfeststellungen an den globalen Märkten ausgenutzt.
Beispiel: Die Aktien der Firma A kosten in Kanada z. B. umgerechnet 12,10 Euro und werden später in London für 12,80 Euro verkauft. Der Gewinn der Arbitrage ergibt sich also aus dem Preisunterschied zwischen Kauf und Verkauf. Gehandelt werden nahezu alle Produkte, z. B. Aktien, Optionen, Futures, Devisen, usw.
Der Arbitrageur (die Person, die dieses Geschäft tätigt), versucht aus den Kursunterschieden Gewinne zu erzielen. Dabei geht er ein eher geringes Risiko ein, da die Preise sich angleichen werden, sobald der Preisunterschied so groß wird, dass ein Transfer sich lohnt. Dies liegt am Gesetz des einheitlichen Preises, das besagt, dass für ein Gut nur ein (einheitlicher) Preis gelten kann, wenn
- räumliche,
- zeitliche,
- sachliche und
- persönliche Differenzierungen
entfallen sowie
- vollkommene Information
Bei Fehlen vollkommener Information vermutet man einen temporär unvollkommenen Markt. Trifft eine der anderen Bedingungen nicht zu, heißt der Markt "unvollkommen".
Also kurz und bündig: Es ist nichts anderes, als Angebot und Nachfrage bestimmt den Preis. Der Arbitrageur handelt wie ein ganz normaler Kaufmann: er kauft möglichst günstig seine Ware ein und verkauft sie möglichst teuer, um Gewinn zu machen.
Die beiden Begriffe Market Neutral / Relative Value gehören zu den Arbitrage-Geschäften und beschreiben das Handeln in der relativen Schwankungsbreite und das Handeln mit Ineffizienzen am Markt.




